Kanufahrt Ornans,
ich schaue von meinem Fernsehkissen immer in sein Zimmer rein; - er muss nach seinem einjährigen High School Besuch in Kansas schon 18 sein; seine Haare jetzt gelb gefärbt, eine riesige USA Flagge an der Wand, an der früher irgend so eine Teenie Popgruppe hing.
Soll ich ihm mal sagen, 'Heh. ich war auch in deinem Alter drüben, hier das Beweisfoto; ich vom drangehängten Mexikourlaub dunkelbraun, 1987 im superflachen, heruntergekommenen Freiburger Hauptbahnhof, mit meinen 1,90 ohne Bauchansatz, von einem bis zum anderen Ohr grinsend, unwissend, welche Chancen damals noch vor mir lagen. Man war das Klasse, es waren Erfahrungen und Naturerlebnisse von unglaublicher Intensität.
Das Wochenende in Ornans ging in diese Richtung; es war einfach schön.
Als ich mit dem Harald aus Gottenheim zurück in das stickig, gewittrige Freiburg fuhr meinte er, es ist einfach lässig so wie die Leute von Mitsport sind. Ich möchte fast sagen, es ist lässig; - ein partyhaftes Geplätscher mit dem Tiefgang, bitte ohne Wertung verstehen, der Loue in der wir gepaddelt sind. Denn das wollten wir; Erholung und Paddeln / spazieren gehen, Hochfahren an die Quelle der Loue und in dem separaten Frieden der kleinen Altstadt Ornans sitzen; alles bitte ohne Stress und mit viel Spaß. Diese junge Frau in Ornans in ihrer Freundinnen Gruppe, -am Vorabend ihrer Hochzeit, diese Lebensabschnittsrituale, Thomas sollte seinen Kopf in ihren Plastikbusen stecken. Die Frauen in unserer Gruppe wurden durch einzelne anwesenden Männer hoch bewertet, über weiteres schweige ich mich besser aus.
Nein -wir waren alle superanständig, äh fast. Gut, spätabends unterhielten wir noch den ganzen Campingplatz mit unserem Gelache und lautem Sprechen; wir saßen mit unterschiedlichen Ravioli-Mengen im Bauch in unseren Campingstühlen einfach teilweise weit voneinander entfernt; es ging nicht anders; oder doch wie die Frau die dann verzweifelt um 1:00 in ihrem Schlafanzug an unseren Tisch kam vorschlug?
Ja und da waren noch die obszönen Bekundungen, die wir der Loue auf dem Kanu entgegenschrieen. Aber der Fluss hat es auch verdient, er hat mich in einem fort provoziert.
Nicht wissend, dass sich Digicams bei Kajakfahrten in so einer weißen Tonne wasserdicht verstauen lassen, ließ ich meine Cam zu Hause und die potentiellen Motive waren so zahlreich wie auch brilliant: das satte urwaldhafte Grün am Flussufer, das friedvolle mittelalterliche Ornans, welches, als ob es nicht schon reicht, auf die Abendlicht reflektierenden Loue noch Enten setzt die Wasserkreise erzeugen; und es ist so ruhig, dass man diese Kreisbildungen im Wasser fast schon hören kann.
Vielleicht finden sich Leute aus Mitsport die Lust zu einer längeren Tour haben, versteht Ihr den Wunsch?
Ralf